Grand Canyon

März 25, 2008

Nach einer Nacht im Nirgendwo ging die Reise weiter zum eigentlichen Ziel, dem Grand Canyon National Park, genauer gesagt zum South Rim des Grand Canyon (North Rim ist bis Anfang Mai gesperrt – im Nachhinein kann ich mir auch gut vorstellen warum). Ich war ja auf einiges gefasst (nach dem Niagara Falls Desaster des letzten Jahres hatte ich meine Erwartungen weit zurück geschraubt), doch was ich da sehen durfte war der pure Wahnsinn! Den Namen Grand Canyon hat er jedenfalls zu Recht, denn er ist riesig (und zwar nicht nur breit, sondern auch tief)!!! Zuerst haben wir das Ganze mal von oben betrachtet und der Blick war wirklich atemberaubend! Ich weiß wirklich nicht wie ich es beschreiben soll, ich glaube das ist etwas was man selbst erleben muss. Wie immer hatten wir auch mit dem Wetter Glück und da nur oben stehen langweilig ist haben wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg in den Canyon gemacht. Nothing’s better than a real good hike… Theoretisch ja, wenn da nicht wieder dieses große ABER wäre… Die ersten 500 Meter waren total überladen. Wie ätzend ist das denn, ich wollte doch wandern und mit dem Schuhwerk einiger war auch klar, dass die im Weiteren Verlauf nicht schneller würden. Da ging es kaum vorwärts, außerdem will ich zu bedenken geben, dass erst März ist. Trotz T-Shirt-Wetter in einigen Teilen Californiens scheint der Grand Canyon sein ganz eigenes Klima zu haben. Diese Tatsache hatte leider auch ich bis dahin außer Acht gelassen, was im Nachhinein betrachtet dumm war, schließlich arbeite ich für den Hersteller der berühmten nora® Spikys und die wären bitter nötig gewesen. Der ganze Pfad (und es war wirklich nicht mehr als ein Pfad, ohne Geländer oder sonstigen Schnickschnack gegen Runterfallen) war nämlich noch völlig vereist. Nice! Wir hatten also definitiv nicht das richtige Equipment dabei. Am Rand lag auch immer mal wieder ordentlich Schnee und es herrschte offensichtlich extrem „eingeschränkter Winterdienst“ (außer großzügig verteilten Hinterlassenschaften der Mulis nämlich nix). Es gab zwar immer mal wieder sonnige Abschnitte wo das Eis schon weg getaut war, aber die waren selten und kurz. Es ging also nur sehr langsam, schleppend und mit großer Vorsicht voran. Nach etwa 2 Stunden kamen wir dann auf einem Plateau an von dem aus man einen super Blick hatten. Ich wäre ja gerne noch etwas weiter gewandert, schließlich hatten wir gerade die Schneegrenze hinter uns gelassen und damit wäre der Rest des Weges auch eisfrei gewesen, aber es war ja kaum abschätzbar wie lange wir nach oben brauchen würden. Übrigens, bis zu dem Plateau waren es zwar nur ein paar Meilen, jedoch von den Massen, durch die wir uns oben noch quälen mussten waren ca. 95% schon längst ausgestiegen, sodass es dort extrem ruhig war und man nur von extrem zutraulichen und unverschämten Eichhörnchen belästigt wurde. Wie gesagt, es war zwar etwas unbefriedigend, aber wir haben dann entschieden wieder raus zu klettern. Normalerweise sagt man 1/3 der Zeit für den Abstieg, 2/3 für den Aufstieg. Na, dass konnte ja heiter werden etwas über drei Stunden nach oben? Das hörte sich nach wenig Spaß an. Die Realität sah aber wieder einmal anders aus und so waren wir nach 40 MINUTEN (!) schon wieder oben. That sucks! Aber es hätte schließlich ja auch anders kommen können. Und schön war es trotzdem. Sollte sich also jemand dazu entschließen im März oder noch früher in der Saison in den Grand Canyon wandern zu wollen: packt das entsprechende Equipment ein, sonst habt ihr keinen Spaß. Noch einen kleinen Tipp zum Schluss. Beobachtungen ergaben, dass es ratsam ist entweder zu laufen ODER zu schauen, fotografieren, essen, quatschen etc. Die UND-Variante endete meistens recht unsanft auf dem Allerwertesten (wenn man Glück hatte). Also für alle Multi-Task erfahrenen Frauen eine gute Gelegenheit sich mal in die Haut eines Mannes versetzen zu können *just kidding*

Nachdem der Aufstieg so schnell ging haben wir uns dazu entschlossen noch einen Pfad am oberen Rand des Canyon in Angriff zu nehmen und auf unserem Weg haben wir dann sogar den Colorado River gesehen. Ein reißender Strom sieht anders aus, aber das hängt wohl mit dem Hoover Dam zusammen. Trotz aller Widrigkeiten die zu überwinden waren ist der Grand Canyon einen Besuch auf jeden Fall wert. Es ist wirklich ein Naturspektakel der Extraklasse (hier gibt es sogar Kondore!). Wenn ich noch einmal herkommen sollte, dann nur mit Rucksack und ordentlicher Ausrüstung, sodass man wirklich einmal tiefer hineinwandern kann und dann einfach unten in einer der Hütten übernachtet.

 

Ziemlich groggy und nicht bereit einen weiteren Schritt zu gehen sind wir dann am späten Nachmittag wieder am Auto angekommen und haben uns gleich auf dem Weg nach Kingman aufgemacht, wo wir übernachten wollten.

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